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360° & Virtual Reality: 7 Dos für Kreative und Werbetreibende

5 Min. Lesezeit  ·  
Philip Grabow
27. Juni 2017

Bereits im April waren wir auf der i4c, dem Event für 360°-Video und Virtual Reality. Philip Grabow war, als einer von vielen Speakern aus der Welt von Virtual Reality und 360°-Filmproduktion, vertreten. Seitdem hat sich nochmals einiges getan: Auf FourScreens hat Philip Grabow seine aktuellsten Erfahrungen und kreativen Guidelines für das Storytelling mit 360°-Content noch einmal zusammengefasst.

 

1. Die Nutzungssituation

Die erste Frage bei der Entwicklung von 360°-Content oder einer VR-Experience, ist die nach der Nutzung: Wie wird der User das Video oder die Experience konsumieren? Auf einem VR-Headset wie der Oculus Rift oder HTC-Vive? Auf einem Cardboard mit YouTube? Oder sogar unterwegs mit dem Smartphone auf Facebook? Warum das wichtig ist: Der User einer VR-Brille möchte ein ganz anderes 360°-Video sehen als der, der einen kleinen Handyscreen und Facebook (85% mobile Nutzung) nutzt, vielleicht sogar in der U-Bahn sitz und sich nicht um ganze 360° drehen will und kann.

Die Nutzungssituation muss den gesamten Produktionsprozess hindurch klar sein, denn Dinge die auf einer Oculus, einer anderen Brille oder in einem Cardboard gut funktionieren, funktionieren nicht automatisch gut für mobile 360°-Videos. Die rechtzeitige Entscheidung bzw. das Wissen für welche Plattform und welches Endgerät produziert wird, sind für kreative Entscheidungen sehr, sehr wichtig.

 

2. Die User-Perspective

VR und 360° bieten die Möglichkeit mit Perspektiven zu spielen. Ein Zuschauer, der ein 360°-Video sieht empfindet sofort eine Art Kontrolle. Die Frage welche Rolle die Kamera innerhalb der Geschichte einnimmt, ist eine der wichtigsten in diesem neuem Medium, vor allem im Vergleich zum klassischen Film oder Werbespot.

Als User selbst eine Rolle zu haben, ja sogar ein wichtiger Hauptcharakter im 360°-Film zu sein, hilft dem Zuschauer seine Beziehung zur Story zu verstehen. „First-Person-Perpectives“ sind daher eine riesen Möglichkeit immersive Geschichten in 360° zu erzählen. Die Kamera wird so zur PoV (Point of View) des Zuschauers, der sich mitten in der Handlung wiederfindet. Was eine solche Erfahrung für die Werbewirkung bedeuten kann, liegt auf der Hand.

 

3. Räumliches Erzählen

Im Unterschied zu klassischen Spots oder Online-Videos gibt es bei 360°-Content keine festgelegten Kamerabewegungen und bei einer First-Person-Perspective ist es zusätzlich schwierig, bis unmöglich, innerhalb einer Situation zu schneiden. Durch das Wegfallen dieser beiden Elemente ist es eine immense kreative Herausforderung, die Aufmerksamkeit des Zuschauers subtil auf einen roten Faden bzw. eine zusammenhängende Storyline zu lenken. Wichtig ist die genaueste Choreografie der Geschichte, um den User bzw. die Kamera herum. Jede Bewegung, jede Begegnung von Schauspielern, jede Aktion in der Geschichte muss den Blick des Zuschauers auf die wichtigen Elemente lenken.

Es ist aber natürlich auch ein riesengroßer Mehrwert mit unterschiedlichen Positionierungen im Raum zu spielen. Die wichtigste Regel bleibt es jedoch, beides Zusammenzubringen: 360° und Schaueffekte bestmöglich auszunutzen, aber ohne den Zuschauer zu verwirren, um so eine im Raum verfolgbare Story zu erzählen.

 

4. Spatial Audio

Auch der Ton kann eine enorm wichtige Rolle einnehmen, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu lenken. Spatial Audio heißt, dass bei 360°-Videos oder VR-Experiences alle Geräuschquellen und Stimmen weiter aus der richtigen Richtung kommen, auch wenn man seinen Kopf und damit z.B. das VR-Headset oder das Smartphone (bei der Nutzung mit Kopfhörern) bewegt. Eine Stimme die von hinten kommt oder ein lautes Geräusch von der Seite, können sehr wichtige Hinweise sein, sich im richtigen Moment umzusehen. Auch hier muss man sich auf die wichtigen Storytreiber fokussieren. Das Lenken des Zuschauers sollte im Mittelpunkt stehen und nicht unnötige Effekte.

 

5. Die Arbeit mit Schauspielern

Eine erste interessante Erkenntnis für das Casting von 360°- oder Virtual Reality Produktionen ist, dass kleine Schauspieler besser funktionieren. Das hat einen ganz einfachen Grund: Mit dem aktuellen Stand der Technik, wird meistens (unabhängig vom Kamerasystem) mit sehr weitwinkligen Objektiven gedreht, dadurch wirken Körper größer und an manchen Stellen des Bildes verzerrter als im realen Leben. Aus genau diesem Grund kann für einen Zuschauer, der sich auf Augenhöhe eines sehr großen Schauspielers befindet, leicht der Eindruck entstehen, drei Meter über dem Boden zu schweben.

Eine Herausforderung für die Schauspieler selbst ist es mit der Kamera bzw. dem Zuschauer als wichtigem Teil, ja vielleicht sogar Charakter in der Geschichte, zu interagieren.
Und zu guter Letzt gilt für Schauspieler bei einer 360°-Produktion, dass man neben den Dialogen auch noch Stitchinglinien, die nicht überschritten werden dürfen, und eine ganz strikte 360°-Choreografie um die Kamera im Kopf haben muss. Diese wird natürlich noch komplexer, wenn nicht geschnitten werden kann.

 

6. 360° Locations

Für das richtige Setting eines VR- oder 360°-Videos gibt es kreative und praktische Aspekte. Praktisch ist es, zu wissen wo sich die Crew verstecken und Licht und Technik verbaut werden kann.

Von einem kreativen Standpunkt aus sind hohe Locations großartig, da man die Geschichte über unterschiedliche Ebenen, über und unter dem Zuschauer, erzählen kann. Außerdem sollte man nach Orten suchen, an denen man ein filmisches Framing, das in 360° erst einmal nicht gegeben ist, schaffen kann. Beispiele hierfür sind, dass der Zuschauer z.B. durch ein Fenster, Säulen oder einen schmalen Gang schaut. Nur so erreicht man den hochwertigen Look, den Zuschauer aus Werbung und Filmen gewohnt sind.

 

7. Die Zukunft

Wird Virtual Reality bleiben? Wir wissen es nicht! Aus Zuschauerperspektive, gerade wenn es um Experiences und Filme für VR-Headsets geht, ist VR eine „Early-Adopter-Technik“, aktuell geeignet für technologieaffine und sehr spezielle Zielgruppen. Großen Erfolg hat sie jetzt bereits in der Gaming-Industrie, beim Einsatz auf Events und für bestimmte Szenarien in der Industrie. Für die richtigen Use Cases sind Experiences auf VR-Headstes eine sehr immersive Waffe mit hoher Werbewirkung und emotionaler Bindung, aber eben noch nicht für die großen Massen.

Ganz anders, 360°-Online-Videos: Sie sind zwar weniger interaktiv, aber, durch den großen Einsatz von Playern wie Facebook, bereits jetzt bereit für große Werbekampagnen. Denn sie erreichen leicht und ohne technische Hürden große Zielgruppen.

Für Werbetreibende, Agenturen und Filmemacher ist jetzt die Zeit zu experimentieren und mit dem neuen Medium zu spielen. Klar, nicht jedes kreative Konzept passt zu jeder Technologie, aber für die Geschichten, die in 360° wirklich Mehrwert bieten, ist es ein neuer sehr immersiver Weg zur Zielgruppe.

Wir sind gespannt was die Zukunft bringt!

 

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