Die Jugend wendet sich vom Fernsehen ab.

Fernsehen braucht Werbung im Internet

4 Min. Lesezeit  ·  
Oliver Schwamb
7. Mai 2015

„Game of Thrones” auf Facebook: 15 Millionen Likes. „The Big Bang Theory” auf Facebook: 32 Millionen Likes. „The Simpsons” auf Facebook: 69 Millionen Likes. TV im Netz lebt. Es gibt online eine breite Fanbasis für verschiedene Sendungen. Aber warum diese Aufzählung?

Sie soll zeigen, welche Rolle das Internet für Serien hat. Die sozialen Netzwerke und Content-Aggregate, wie Serienjunkies oder Moviepilot, haben einen ziemlich hohen Einfluss auf die Wahrnehmung von Serien im Speziellen und Fernsehen im Allgemeinen. Eine Studie von Unruly hat sich diesem Einfluss angenommen und überprüft, wie das Netz das Fernsehverhalten beeinflusst. Bei der Studie konzentrierte sich Unruly auf eine junge Zielgruppe. Eine Zielgruppe, von der man annimmt, sie sei dem Fernsehen zugunsten des Internets schon verloren gegangen: die sogenannten Millenials, also die um die Jahrtausendwende Geborenen.

Das Internet dient als Informationsquelle

Ergebnis der Studie: Wurde Millenials eine TV-Sendung empfohlen, sind 80% der Empfehlung gefolgt und haben den Fernseher zur Ausstrahlungszeit eingeschaltet. Empfehlungen werden hier als Shares begriffen, denn nichts anderes ist ein Share in sozialen Netzwerken – eine Empfehlung des Teilenden an seine Follower bzw. Freunde. Damit zeigt sich, dass die Millenials für das Fernsehen bei weitem nicht verloren sind, sie müssen nur dort abgeholt werden, wo sie sich nativ bewegen: im Internet. Die logische Folge ist, dass TV Sender noch verstärkter auf die Vermarktung ihrer Sendungen im Internet setzen müssen. Dort bietet sich ihnen nicht nur die Möglichkeit, durch zur Verfügung gestellte Trailer, Sendungsausschnitte oder originäre Inhalte, neue Zielgruppen zu erschließen bzw. verlorene Zielgruppen zurück zu gewinnen, sondern auch bestehende Zielgruppen können enger an die Sendung gebunden werden, wenn sie einer Sendung über mehrere verschiedene Plattformen hinweg folgen können. Nach wie vor macht „Berlin – Tag & Nacht“ auf Facebook  im Online-Marketing einen guten Job.

Originäre Inhalte funktionieren am besten

Für die auf RTL2 ausgestrahlte Serie bestätigt sich, was Unruly in seiner Studie herausfand: Am besten funktionieren Inhalte, die exklusiv für das Internet produziert sind. Zwar werden auch Trailer und Ausschnitte aus den Fernsehserien von den Millenials honoriert, Inhalte, die auf eine Online-Plattform zugeschnitten sind, regen aber eher zum Teilen an. Das hat mit Sicherheit mehrere Gründe. Einerseits bieten sie dem Online-Nutzer einen wirklichen Mehrwert, andererseits können sie auch konzeptionell viel besser auf das Nutzungsverhalten der einzelnen Plattformen angepasst werden. Hier liegt für die Zukunft das wohl größte Potential der TV-Sender. Die Zuschauer werden web-exklusive Inhalte in Zukunft nicht mehr nur honorieren, sondern auch erwarten. Diese, den Nutzungsgewohnheiten entsprechend, zu entwerfen und bei der Konzeption die bestmögliche Conversion vom Netz zum TV zu kreieren, wird die kommende Aufgabe in der Erschließung der jungen Zielgruppe sein.

Die Nachtwache – ein Jobangebot der anderen Art

Sky Serie zeigt mit „Game of Thrones: Nachtwache – Rekruten gesucht“ wie gut originärer Inhalt funktionieren kann:

Auf Facebook erreichte das Video, im Gegensatz zu sonst auf der Seite von Sky Serie geposteten Videos, überdurchschnittliche Ergebnisse. Die Interaktionsrate ist dabei, genauso wie die Like-Rate, deutlich höher als bei Trailern oder Sendungsausschnitten. Die Fans der Serie sowie die Fans der Facebook-Seite von Sky Serie würdigen den Mehrwert mit erhöhter Bereitschaft zu teilen. Betrachtet man die Views auf Facebook, dann ist anzunehmen, dass Sky Serie diesen Beitrag auch offensiv beworben hatte. Dies könnte das Ergebnis der Betrachtung zwar etwas schmälern, aber allein der Vergleich der Share/Like-Ratio, die für den Post zum Video bei 34% liegt, ist deutlich höher als die Ratio von anderen Posts, diese liegt oft bei unter einem Prozent.

Fernsehwerbung im Netz

Die Sender haben viele Möglichkeiten ihre Sendungen im Netz zu promoten und die Erfolgsaussichten sind nicht zu unterschätzen. Dabei zählt der richtige Content. Wenn es die Fernsehsender in Zukunft öfter schaffen, ihre Inhalte mit für das Internet bzw. Facebook oder YouTube konzipierten Clips online unter die Leute zu bringen, dann werden ihnen die Nutzer auch wieder ins lineare Programm folgen.

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