News: Videoplattform Vessel – neue Konkurrenz zu YouTube?

2 Min. Lesezeit  ·  
Oliver Schwamb
23. Januar 2015

Am Mittwoch öffnete die Videoplattform Vessel ihre Pforten zum Beta-Test der Seite. Vessel wird von vielen als „YouTube-Killer“ gehandelt. Warum? Was macht die neue Plattform anders als YouTube? Und was könnte die Plattform für Marketers bedeuten?

Es gibt eine neue Videoplattform im Online-Videomarkt: Vessel. So weit nichts besonderes, YouTubes Vormachtstellung sollte das nicht stören. Aber Jason Kilar und Richard Tom, die beiden Gründer der Plattform – beide ehemals in Führungspositionen bei der Streamingplattform Hulu – haben ein interessantes und ernstzunehmendes Geschäftsmodell für die Plattform entwickelt.

Help creators achieve their dreams

Die Gründer schreiben es sich auf die Fahnen, Produzenten von Online-Videos mehr Erlös zu bieten. Anstatt 2$ für 1000 Videoklicks wollen sie ihren Produzenten 50$ bieten können. Finanzieren soll sich dieser Gewinn über ein zweistufiges Modell: Für mindestens 72 Stunden sollen Inhalte exklusiv auf Vessel zu sehen sein. Innerhalb dieses exklusiven Zeitfensters können nur Vessel-Abonennten die Videos abrufen, dafür dann aber werbefrei. Rund 3$ pro Monat müssen Abonennten aufbringen um diesen exklusiven Content abrufen zu können. Nach Ablauf der exklusiven „Vessel-Preview“ wird das Video auf Vessel für alle zu sehen sein, mit Werbung. Dann können es die Produzenten auch auf anderen Plattformen, zum Beispiel auf YouTube, veröffentlichen. Die Werbeerlöse sollen zu 70% an die Macher der Videos gehen, im Vergleich zu YouTube ist das eine deutliche Steigerung, dort bekommen die Macher „nur“ 45% ihrer Werbeeinnahmen.

Doch Vessel setzt nicht nur auf die besseren Konditionen für Produzenten, denn schließlich bestimmen auch die Konsumenten den Markt. Deshalb will man die Seite und die darauf geschaltene Werbung möglichst hochwertig gestalten. Für die Werbung bedeutet das: es gibt nur zwei Werbeformen: 5-sekündige Pre-Rolls und Motion-Poster.

Bringing positive change onto this level won’t be easy

Auch die Gründer der Plattform wissen, dass es schwierig wird, den Online-Videomarkt so weit umzukrempeln, dass ihre Idee funktionieren kann. Und tatächlich muss sich noch herausstellen, wie die User die Plattform aufnehmen, denn die Content-Produzenten, die Vessel bevölkern sollen, waren bisher umsonst bei YouTube zu sehen. Warum also sollten die Nutzer von YouTube zu Vessel wandern, um dort die Videos zu sehen und dafür auch noch zahlen zu müssen? Ein Grund ist mit Sicherheit die werbefreie Preview-Phase und der, mit 3$ pro Monat, moderate Preis. Funktionieren kann das Vorhaben der Gründer aber durchaus, denn das Beispiel von Netflix zeigt, dass Kunden durchaus bereit sind für Content zu bezahlen. Den Schritt in diese Richtung müssen aber die Content-Produzenten machen. Sie müssen auf YouTube ihre Inhalte so intelligent vermarkten, dass ihre YouTube-Fans es nicht abwarten können, bis die Videos ihrer Idole frei verfügbar zu sehen sind, sondern die exklusive Preview nutzen möchten. Das wird nicht mit jedem Content und nicht für jeden Produzenten funktionieren. Aber gerade besonders hochwertige Formate und serielle Formate haben hier eine Chance auf Vessel erfolgreich Geld einzuspielen.

Vessel & YouTube

Vessel wird nicht in der Lage sein, die Stelle YouTubes einzunehmen. Dafür sprechen zu viele Faktoren dagegen: Nur exklusiver Inhalt kann im besten Fall nur in einem exklusiven Kreis Viralität erlangen, die nötigen Verteilen – BuzzFeed, Zeitungen oder Blogs – können den Content ja noch nicht an die nicht-exklusiven Konsumenten bringen. YouTuber können auf Vessel nicht so wachsen, wie auf YouTube, auch hier fehlt ihnen die breite Masse der Mund-zu-Mund Propaganda. Viele Formate werden nicht interessant genug sein, oder thematisch auch über die exklusive Preview-Phase hinaus interessant sein, so dass die Konsumenten auch gut darauf warten können. Aber bei Vessel scheint man dagegen gut vorgesorgt zu haben: Die Liste der Content-Produzenten, die schon jetzt auf Vessel aktiv ist, ist beeindruckend. Neben anderen finden sich dort Namen wie „Ray William Johnson’s Equals Three„, „Epic Meal Time„, „Warner Music Group“ oder „Rhett & Link„. Deren Talent ist nun dabei gefragt ihren Fans ihr Engagement bei Vessel schmackhaft zu machen – was ihnen zuzutrauen ist. Insofern könnte die Umwälzung des Online-Videomarktes von den Produzenten ausgehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit heißt das aber auch, dass die Produzent auf beiden Plattformen aktiv sein werden: Auf YouTube wird die Überzeugungsarbeit geleistet, auf Vessel werden die „Leckerbissen“ vermarktet.

Für Marketers hat diese Entwicklung zwei Konsequenzen: Sollte Vessel so einschlagen, wie sich Kilar und Tom das ausmalen, dann könnten auf YouTube sehr interessante Werbeplätze verloren gehen, die sich dann auf Vessel wieder öffnen. Dort sind dann aber die „Vine-Qualitäten“ der Marketers gefragt, denn eine Werbe- bzw. Markenbotschaft in fünf Sekunden auf den Punkt zu bringen, ist schwieriger als einen 30-Sekunden Pre-Roll zu produzieren.

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