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Snapchat für Unternehmen

5 Min. Lesezeit  ·  
Oliver Schwamb
5. Oktober 2016

Snapchat erreicht 150 Millionen Nutzer weltweit täglich, das ist mehr als Twitter. Die App ist auch in Deutschland in aller Munde. Was sie ausmacht, habe ich in dem Artikel „Was Snapchat ausmacht(e) “ erläutert. Aber wie können Unternehmen Snapchat zu ihrem Vorteil einsetzen?

Um mit Snapchat Marketing zu treiben, gibt es vier verschiedene Möglichkeiten: Mit einem Unternehmenskanal, mit gesponserten Filtern, mit Video Ads oder über Influencer. Wir haben diese vier Möglichkeiten etwas genauer unter die Lupe genommen:

1. Ein eigener Kanal mit Stories

Präsenz auf Snapchat zu zeigen, ist über ein eigenes Profil erstmal am einfachsten. Unternehmen können sich, genauso wie jeder Privatnutzer, ein Profil erstellen und mit diesem Profil chatten und Stories erzählen. Das ist derzeit die mit Sicherheit am weitesten verbreitete Nutzung Snapchats durch Unternehmen. Denn im ersten Schritt ist sie auch die kostengünstigste: Das Profil auf Snapchat kostet nichts und da Inhalte für Snapchat primär über Smartphones oder Tablets erstellt werden können, sind auch erstmal keine technischen Anschaffungen nötig.

Snapchat im Rahmen nur einer Kampagne einzusetzen, ist hier sicherlich fehl am Platz!

Das Profil bzw. der Kanal alleine nutzen einem Unternehmen aber noch nicht viel. Im nächsten Schritt müssen Follower bzw. Freunde gefunden werden. Snapchat ist hier aus Sicht von Unternehmen leider sehr restriktiv, was die Verbreitung von Kanälen angeht. Unternehmen müssen über bestehende soziale Netzwerke (hier sind auch andere Wege wie Out of Home oder Print denkbar) für ihren Snapchat-Kanal werben, denn Snapchat hat keine Suchmaschine, mit der User gefunden werden können. Davon abgesehen ist es wohl für die meisten Marken utopisch zu glauben, Nutzer würden von sich aus nach ihnen auf Snapchat suchen.

Mit den Followern sollte auch Content auf den Kanal eines Unternehmens kommen, denn niemand folgt freiwillig dem Kanal eines Unternehmens, wenn er dort keinen unterhaltenden oder informierenden Content bekommt. Bislang mussten alle Inhalte „live“ entstehen, denn bislang war es nicht möglich, vorproduzierten Content auf Snapchat einzuspielen. Mit dem „Memories“-Update von Anfang Juni hat sich dies aber geändert: Jetzt können Unternehmen auch vorproduzierte Inhalte vom lokalen Speicher der Geräte in ihre Stories einfließen lassen. Einzig bewusst machen sollte man sich, dass diese Inhalte immer das Datum und die Uhrzeit ihrer Entstehung anzeigen: Nutzer werden also wissen, wenn Content nicht „live“ entstanden ist. Nichtsdestotrotz erleichtert dies die Arbeit von Unternehmen auf Snapchat extrem, denn jetzt ist es möglich auch Assets, die für andere Netzwerke oder zu anderem Zweck entstanden sind, auf Snapchat zu verbreiten. Dennoch sollte die Bespielung des Snapchat-Kanals gut überlegt und langfristig geplant sein. Reines Kampagnendenken, Snapchat also nur im Rahmen einer Kampagne einzusetzen und dann nicht mehr, ist hier sicherlich fehl am Platz! Gibt es aber eine langfristige Strategie für Snapchat, in der immer wieder fesselnde Stories erzählt werden, steht dem eigenen Snapchat-Kanal nichts im Weg. Wie können diese fesselnden Stories aussehen? Das werden wir in einem separaten Artikel behandeln, bis dieser erscheint, freuen wir uns auf Vorschläge von Eurer Seite!

2. Filter/Lenses

Linsen oder (Geo-)Filter sind der wahrscheinlich einfachste Weg, um User Generated Content zu kreieren. Linsen sind bewegte Animationen, die sich meist über das Gesicht des Snapchatters legen und das Gesicht verändern. Wie diese Linsen aussehen und funktionieren, zeigt folgendes Video:

Filter bzw. Geofilter sind dagegen Zeichnungen oder Schriftzüge, die sich ohne Animation auf ein Bild legen. Geofilter sind, wie im Namen impliziert, nur an bestimmten Orten verfügbar. Ein Beispiel dazu ist der Geofilter zur Allianz Arena in München:

Geofilter sind kostenlos, sie müssen aber den Richtlinien Snapchats entsprechen: Sie dürfen keine Markenlogos zeigen und müssen für größere Nutzergruppen interessant sein. Snapchat überprüft alle Geofilter auf Einhaltung der Richtlinien und ihre Relevanz.

Filter mit Logos und geografisch unabhängig können Unternehmen bei Snapchat buchen. Diese Filter sind dann für einen bestimmten Zeitraum für alle Snapchat-Nutzer verfügbar

Einen Filter oder eine Linse auf Snapchat zu platzieren, ist noch mit einigen Arbeitsschritten und einem nicht zu unterschätzenden Investment verbunden. Linsen oder Filter müssen aktuell noch bei Snapchat selbst gebucht werden und das lässt sich Snapchat gut bezahlen. Dennoch haben sowohl Linsen und Filter als auch Geofilter ihren Reiz, denn die Nutzer interagieren mit den Linsen oder Filtern und kreieren User Generated Content. Es gibt derzeit wohl kaum eine Möglichkeit, die Nutzer eines sozialen Netzwerks zu mehr Interaktion mit einer Marke zu bewegen. Ein schönes Beispiel dazu liefert Nike mit seiner Kampagne „The Switch“.

3. Video Ads

Werben auf Snapchat ist auch durch „SnapAds“ möglich: Vertikale Videos, die in voller Größe auf dem mobilen Gerät der Nutzer laufen und zwischen den Stories getargeted geschaltet werden. Snapchat behauptet, dass ihre vertikalen Videos auf mobilen Geräten neunmal mehr gesehen werden, als horizontale Videos und dass die „Swipe-Up“-Rate, also die Klicks auf die Seite des werbenden Unternehmens, fünfmal höher ist als die durchschnittliche Click-Through-Rate. Für Werbende sind die Video Ads auf Snapchat also ein spannendes Feld, wenn sie vertikal produziert werden. Auch diese Ads waren bis jetzt noch extrem teuer. Im Sommer hat Snapchat seine API für eine Handvoll ausgewählter Unternehmen geöffnet, die Snapchat dabei helfen sollen, Werbungen für alle einfacher zu schalten. Auf der dmexco 2016 hatte Snapchat noch weitere Snap Ads mit möglichen Anschlusshandlungen (App-Download, Klick auf mobile Website) vorgestellt. Diese Ad-Formate werden wir in Zukunft noch etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Werbung darf nicht nerven.

Snapchats Philosophie zufolge darf Werbung nicht nerven. Deshalb wird jede Videowerbung von Snapchat vor Veröffentlichung inhaltlich überprüft. So will Snapchat eine hohe Qualität bei Werbung, die auf der Plattform geschaltet wird, erhalten.

4. Influencer

Die letzte hier aufgezählte Möglichkeit auf Snapchat Werbung zu machen, ist auch die am wenigsten spezifische für die Plattform. Über Influencer können Marken den Weg auf die Smartphone-Bildschirme der Snapchat-Nutzer finden. So wie auf YouTube, Facebook oder Instagram, können Unternehmen in direkten Kontakt mit reichweitenstarken Snapchattern treten und sie mit ihren Produkten interagieren oder über ihre Produkte sprechen lassen.

Mit Snapchat lässt sich sowohl über Unternehmenskanäle, Filter und Linsen, Video Ads als auch Influencer viel Interaktion aufbauen!

Wie diese Inhalte aussehen können, hängt ganz vom Influencer ab. Genauso, ob eine Influencer-Kampagne erfolgreich ist. Falsch eingesetzt kann diese Werbeform für das werbende Unternehmen und den kooperierenden Snapchatter nach hinten losgehen. Dann akzeptiert das Publikum den „Ausverkauf des Influencers“ nicht. Weiter sind rechtliche Fallstricke zu beachten: Auch Influencer-Marketing muss als Marketing gekennzeichnet sein. Influencer-Marketing auf Snapchat ist einerseits vielleicht die am wenigsten spezifische Werbeform, aber gleichzeitig auch die am besten umsetzbare, denn von anderen Plattformen besteht hier das meiste Vorwissen über erfolgreiche und nicht erfolgreiche Vorgehensweisen. Besonders für Unternehmen, die nicht den Aufwand angehen wollen, einen eigenen Kanal aufzubauen und ständig zu bespielen, oder Werbeformate, die nur für eine zeitlich begrenzte Kampagne eine Rolle spielen, sind Influencer ein guter Weg, um Präsenz auf der Plattform zu zeigen!

Die Nutzer auf Snapchat sind überwiegend jünger als 30 Jahre. Diese Zielgruppe, vor allem die unter 20-Jährigen, ist auf anderen Kanälen wie Facebook nicht mehr gut zu erreichen. Mit Snapchat lässt sich sowohl über Unternehmenskanäle, Filter und Linsen, Video Ads als auch Influencer viel mehr Interaktion aufbauen, als mit Instagram, der zweiten Plattform, die im jungen Zielgruppensegment stark ist. Insofern ist Snapchat eine sehr spannende Plattform für alle Unternehmen, die in genau diesem Zielgruppensegment aktiv sein wollen.

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