160822 Holodeck

Virtual Reality als Marketinginstrument für B2B und B2C

5 Min. Lesezeit  ·  
Sabrina Proske
7. September 2016

Mit neuen Technologien und Kommunikationsmöglichkeiten ändern sich die Strategien von Werbetreibenden und neue Potentiale müssen ausgelotet werden. Da wir bei Virtual Reality jedoch nicht einfach altbekannte Werbeformen nehmen und sie unverändert in die virtuelle Welt hineinsetzen können, haben wir mit Jonathan Nowack Delgado über Möglichkeiten von VR als Marketing-Instrument, gesprochen.

WAS BEDEUTET VIRTUAL REALITY FÜR WERBETREIBENDE?

Jonathan Nowack Delgado ist externer Berater des Fraunhofer-Instituts für integrierte Schaltung in Nürnberg und Co-Geschäftsführer der Holodeck 4.0 GmbH. Mit seinem VR-Projekt Holodeck 4.0 war er in den letzten sechs Monaten Stipendiat der Start-Up-Förderung im Media Lab Bayern.

„Per Knopfdruck in
eine neue Welt gebeamt“

WAS KANN MAN SICH UNTER DEM BEGRIFF „HOLODECK“ VORSTELLEN?

Jonathan Delgado: Der Begriff stammt aus der Welt von „Star Trek“ und ist das Eintauchen in virtuelle Welten. In unserem Fall wird das durch eine VR-Brille möglich. Das Holodeck eröffnet dem User einen Raum, in welchem sich bis zu 100 Leute gleichzeitig aufhalten und sich sogar gegenseitig als Avatar sehen und mit Gegenständen interagieren können. Und wir sprechen hier von einer Fläche die bis zu vier Fußballfelder groß ist!

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FÜR WELCHE ANWENDUNGSGEBIETE IST DAS HOLODECK GEDACHT?

Jonathan Delgado: Das Holodeck ist breit einsetzbar. Es gibt mehrere Use-Cases: Entertainment, Gaming, industrielle Planung, Architektur & Urban Planning und natürlich Marketing & Sales. Mit Letzterem meine ich vor allem Produkte, die man mit dem Holodeck virtuell konfigurieren kann, wie ein Haus oder ein Auto oder eine Reise.

FÜR WELCHE KUNDEN EIGNET SICH DAS HOLODECK?

Jonathan Delgado: Wir sprechen sehr viel mit Messebetreibern und Kunden im B2B- und B2C-Bereich. Aktuell haben wir einige Projekte aus der Automobilbranche in der Pipeline. In Form von portablen, temporären Holodecks, sog. Pop-Up Holodecks nutzen die Hersteller die Fläche, um ihren Kunden neue Modelle zu präsentieren.
Aber auch das stündliche Einmieten ist für Kunden möglich. Gerade im Bereich Konfiguration ist diese Variante interessant, da der Kunde mit den dafür benötigten 3D-Daten zu uns kommen kann und sie ohne großen Aufwand ins Holodeck geladen werden.
Genauso geschieht in der Modebranche einiges, wobei wir dabei dann doch eher von 360°-Live-Streaming VR sprechen.

„Dabei ist Interaktivität unser Freund
und Passivität unser Feind“

WIE KANN EINE WERBUNG IM HOLODECK AUSSCHAUEN?

Jonathan Delgado: Im Vergleich zu einer klassischen TVC oder einem Online-Spot muss eine Werbung fürs Holodeck ganz anders gedacht sein. Dabei ist Interaktivität unser Freund und Passivität unser Feind. Je größer die Intensität des Kontaktes, desto besser! Und umso mehr Emotionalität der Werbetreibende bei einem potentiellen Kunden erzielen kann, desto höher ist dann auch die Chance der Weiterempfehlung an Freunde.

UND WIE GENAU SIEHT EINE SOLCHE WEITEREMPFEHLUNG AUS?

Jonathan Delgado: Die individuelle Erfahrung im Holodeck wird aufgenommen und als Casefilm zur Verfügung gestellt. Dieser wiederum kann dann als Online-Werbung in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Man könnte aber natürlich die Holodeck-Experience auch mit nach Hause nehmen, indem man ein gebrandetes Cardboard dem User ausgibt und der zu Hause z.B seine virtuelle Probefahrt mit seinem Partner teilen kann.

DAS KLINGT RECHT KOMPLIZIERT. WIEVIEL ZEIT MUSS EIN KUNDE FÜR EINEN PROTOTYPEN AUFBRINGEN?

Jonathan Delgado: Nein, das ist es gar nicht. Ein Learning aus meinen letzten sechs Monaten war es, dass man im Zuge eines Hackathons z.B. innerhalb von 48 Stunden zumindest ein MVP (Minimal viable product) kreieren kann, um dem Management zu vermitteln, was möglich ist. Voraussetzung dafür ist natürlich das richtige Set-Up und fähige Leute. Dabei empfehle ich eine Kombination aus einer Agentur, die Ahnung hat, und unserer Experimentierfläche.

WELCHE BEDEUTUNG WIRD VIRTUAL REALITY IN DER WERBEBRANCHE HABEN?

Jonathan Delgado: Es macht auf jeden Fall jetzt Sinn zu investieren! Wir gehen davon aus, dass die Consumer adaptionsfreudiger sein werden und danach erst die Business-Lösungen kommen werden. Diese Entwicklung konnte man auch auf anderen Plattformen, wie z.B Smartphones, sehen. Darin liegt nun vor allem für Werbetreibende die Chance. In ein paar Jahren wird der Markt und die Konkurrenz in diesem Bereich viel größer sein als jetzt. Jeder, der einsteigt, muss fähig sein, über den Tellerrand hinauszuschauen, um erkennen zu können, wo VR eingesetzt werden könnte. Ein Blick ins Ausland kann dabei auch helfen.

WELCHE BUSINESS-MODELLE STECKEN DAHINTER UND WO KANN DER KUNDE ANSETZEN?

Jonathan Delgado: Da gibt es ganz unterschiedliche Modelle. Es gibt die Möglichkeit, als Betreiber aufzutreten, also ein Holodeck zu kaufen, zu installieren und mit wechselndem Content zu bespielen. In eine solche Form wird auch das Kino der Zukunft gehen und neben dem klassischen linearen Kinofilm existieren. Daneben gibt es das Modell „Pay-per-Use“, was vor allem für kleinere Unternehmen interessant sein könnte oder auch für Unternehmen, die ein besonderes Event in ihrer Marketingkampagne darstellen wollen. Und die dritte Variante ist der B2B-/B2C-Showroom, der sich vor allem für eine feste Installation beispielsweise in einem Store eignen würde.

VR ist nicht
„one size fits all“

WIE WIRD DER MARKT IN EINEM JAHR AUSSEHEN?

Jonathan Delgado: Der VR-Bereich ist im Ausland wesentlich stärker vertreten ist als bei uns in Deutschland. In Korea zum Beispiel ist VR schon längst in der Bildung angekommen und es können damit Fremdsprachen gelernt werden. Aber grundsätzlich: Der Erfolg von VR generell hängt komplett vom Use-Case ab, denn es gibt hier definitiv kein ‚one size fits all’. Aber wenn es passt, dann ist die Immersivität unschlagbar gegen alle anderen Medien.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wenn ihr noch mal nachlesen wollt was Virtual Reality eigentlich ist, dann lest hier In 7 Schritten zum Virtual Reality-Versteher.
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